Leerstandsmanagement

Ausgangslage

Österreich ist im EU-Vergleich mit 11,8 ha pro Tag eines jener Länder, in denen die Bodenversiegelung am höchsten ist. In der KLAR! Region Waldviertler Kernland lag 2012 die durchschnittliche versiegelte Fläche pro Kopf bei 460m², in Krems ist dieser Wert mit 317 m² deutlich niedriger.

Durch diese massive Bodenversiegelung geht biologisch produktiver Boden meist für immer verloren und damit auch die natürlichen Bodenfunktionen. Oftmals gehen dadurch landwirtschaftlich besonders gute geeignete Flächen verloren. Auch werden Lebensräume für Tiere und Pflanzen durchschnitten oder zerstört. Durch die zunehmenden Trockenperioden und Starkregenereignisse sinkt auch der Grundwasserspiegel. Dies wird durch eine zunehmende Bodenversiegelung weiter verstärkt.

Die Auswirkungen werden durch das veränderte Klima in der Region immer deutlicher spürbar: Bei Unwettern kann der versiegelte Boden kein Wasser mehr aufnehmen – es kommt zu Überschwemmungen, der Boden verliert seine kühlende Wirkung, und die Staubbindungsfunktion des Bodens geht zurück.

Den größten Anteil an der bisherigen Versiegelung haben österreichweit Verkehrsflächen, gefolgt von Bauflächen und Betriebsflächen. Eine Maßnahmenempfehlung gegen den Bodenverbrauch ist daher die Nachverdichtung im bebauten Siedlungsgebiet sowie die Reduktion von leerstehenden Objekten.

Im Vergleich zu den Ballungszentren ist das Waldviertel von Hitzewellen noch weitgehend verschont. Nächtliche Hitze erschwert nicht nur das Einschlafen, auch die Qualität des Schlafs sinkt. Obwohl auch in unserer Region ein Anstieg der Temperaturen prognostiziert wurde, bleiben dennoch die Nächte kühl, wodurch die Innenräume auf natürliche Weise abkühlen. Dies stelle eine Chance für die Region dar, als Wohn- und Urlaubsdestination für Personen aus den Ballungszentren attraktiv zu werden. Dazu ist aber zusätzlicher Wohnraum erforderlich. Dieser könnte durch die Aktivierung von leerstehenden Objekten gedeckt werden, ohne neue Flächen zu versiegeln.

Ziele

  • Reduktion des Bodenverbrauchs
  • Klimawandelangepasste Revitalisierung von Leerständen
  • Nachverdichtung im Siedlungsgebiet

Bereits gesetzte Aktivitäten

Faires Wohnen im Waldviertler Kernland

Bewohnte Häuser, belebte Dörfer, funktionierende Gemeinschaft — so wünschen wir uns unsere Region. Gemeinsam kann uns das gelingen!

Da viele Besitzer von leerstehenden Häusern und Wohnungen aus unterschiedlichen Gründen diese nicht verkaufen möchten, entwickeln wir das Projekt "Faires Wohnen im Waldviertler Kernland".

Unbewohnte Objekte werden dabei von einer Trägerorganisation langfristig angemietet, saniert und danach an Personen vermietet, welche sich in der Gemeinde engagieren und nach Möglichkeit ihren Hauptwohnsitz begründen.

Sollten auch Sie über einen ungenützten Leerstand im Waldviertler Kernland verfügen und Interesse an diesem Projekt haben, dann melden Sie sich bitte bei uns: office@waldviertler-kernland.at oder 02872/200 79 22. Sie leisten damit einen großen Beitrag um unsere Region lebenswert zu erhalten.

 

Zukunftswerkstatt

80 Personen waren der Einladung zur Zukunftswerkstatt gefolgt. Michaela Moser und ihr Team der FH St. Pölten präsentierten anschaulich die erhobenen Daten sowie die Ergebnisse der Umfrage. Die Recherchen hatten ergeben, dass unsere Region über „einen großen Schatz an Ressourcen verfügt“ und seitens der Einwohner*innen auch viel Wertschätzung dafür vorhanden ist. Anschließend wurden Best Practice Beispiele aus Nachbarländern vorgestellt.

Dann ging es ans Arbeiten. Die Teilnehmer*innen wurden aufgefordert, Wünsche und Visionen zu Papier zu bringen – „die Zukunft zu spinnen“. Dabei kamen zahlreiche, unterschiedliche Ideen zutage, von

  • Partnerbörse über
  • GreenCare-Höfe,
  • kühle, leistbare Schlafplätze für hitzegeplagte Städter,
  • ein Gallierdorf, Tauschkreise,
  • Nutzung der Bahntrasse
  • bis hin zu Maßnahmen für die Jugend oder Freizeiteinrichtungen.

Diese Ideen wurden kurz vorgestellt, danach teilten sich die Teilnehmer*innen in „Interessensgruppen“ auf und arbeiteten ausgewählte Themen weiter aus. Die KLAR! Region unterstützte dabei die Arbeitsgruppe: "kühle, leistbare Schlafplätze für hitzegeplagte Städter".

Die vielen Ideen und Maßnahmenvorschläge werden in weiterer Folge im Vorstand des Waldviertler Kernlands besprochen und auf ihre Umsetzbarkeit hin analysiert. Noch dieses Jahr sollen einige Maßnahmen in Angriff genommen werden.

Erhebung der Leerstandsdaten in der Region

Im Jahr 2018 wurden diese auf KG Ebene von den Gemeinderäten und Ortsvorstehern erhoben. Dazu wurden vom Büro KLAR! Waldviertler Kernland Pläne aller Ortschaften mit Hausnummern angefertigt und ausgedruckt. Die Gemeinderäte versehen alle Häuser mit einem eigenen Farbcode

  • Rot – Derzeitiger Leerstand: zu verkaufen,
  • Orange – Derzeitiger Leerstand: nicht zu verkaufen,
  • Grün – nur bewohnt durch 1-2 Personen über 80 Jahre, usw.

Durch die Erhebung wurde deutlich veranschaulicht, welche Gebäude leerstehen und welche Gebäude in naher Zukunft vom Leerstand betroffen sein könnten (das Potenzial). Diese Daten dienen als Grundlage für die weitere Entwicklung der Maßnahme.

 

Die Entwicklung der Leerstände wurde über die Dauer von 2 Jahren beobachtet. Zwischen September 2018 und November 2020 reduzierte sich die Anzahl der Leerstände um mehr als die Hälfte, wie aus nachstehender Grafik ersichtlich ist. Zu beachten ist jedoch, dass es hier einige Unschärfen gibt, da die Datenerhebung nicht auf offiziellen Zahlen basierte, sondern auf Auskünften verschiedener Personen beruhte. Dennoch ist der Trend der Leerstandsreduktion klar ersichtlich.