Bgm. KLAR_Anpassung_kleinDer Klimawandel stellt für die Gemeinden eine Herausforderung in nahezu allen Bereichen dar. Er wird als Chance aber auch als Bedrohung für die Zukunft der Region gesehen. Die Gemeinden möchten daher gemeinsam an der Zukunft arbeiten und haben sich entschlossen KLAR! Modellregion zu werden.

In der Kleinregion Waldviertler Kernland sind bereits erste klimatische Veränderungen wie Anstieg der Durchschnittstemperatur, Starkregen, der Rückgang der Frosttage und die Zunahme an Sonnenscheintagen spürbar.

In den nachstehenden Grafiken sind diese Veränderungen deutlich Sichtbar:

Klima im Wandel_ im Kernalnd Seite 1   Klima im Wandel_im Kernland Seite 2

Damit verbunden ist auch das Auftreten neuer Tierarten (Schädlinge), Trockenstress bei den Wäldern und Pflanzen sowie eine Verlängerung der Vegetationsperioden sichtbar.

 

Infotermine und Workshops

Im Juni fanden an verschiedenen Terminen kostenlose Workshops statt, bei denen jede(r) mitmachen konnte, dem unsere Region am Herzen liegt. Dabei wurden alle Themenbereiche besprochen und identifiziert.

Derzeit werden gemeinsam mit Experten Lösungsansetze besprochen und Maßnahmen erarbeitet. Dieses werden in einem nächsten Schritt mit den Gemeinden besprochen und anschließend mit der Bevölkerung abgestimmt.

Die Termine für die Präsentation der entwickelten Maßnahmen werden in kürze auf dieser Homepage veröffentlicht.

 

Detailinformation zum Förderprogramm KLAR!

In der ersten Phase des Programms steht die Entwicklung und Erstellung von regionalen Anpassungskonzepten im Vordergrund. Zur Unterstützung stehen den Regionen ExpertInnen des Umweltbundesamtes und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit konkreten Handlungsempfehlungen und auch mit Empfehlungen für Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung zur Seite. In weiterer Folge werden die Konzepte umgesetzt, laufend evaluiert und gegebenenfalls adaptiert. Das Förderprogramm ist mit den Aktivitäten auf Bundes- und Landesebene abgestimmt und gliedert sich in 3 Phasen:

  • Konzepterstellung inkl. Bewusstseinsbildung (ab sofort)
  • Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen (Start: Anfang 2018)
  • Disseminierung, Monitoring und Adaptierung (Start: 2020)

 

Heutige klimawandelbedingte Herausforderungen in der Region

Derzeit sind in der Region bereits folgende klimawandelbedingte Veränderungen zu erkennen:

  • Trockenstress bei den Waldbeständen
  • Veränderung der natürlichen Baumartenzusammensetzung
  • Verbreitung neuer Schädlinge
  • Erhöhtes Spätfrostrisiko
  • Veränderung der Vegetationsperioden
  • Veränderung der Fruchtsorten in der Landwirtschaft
  • Veränderung in der natürlichen Tierwelt (Insekten, Biber, Schädlinge, …)
  • Belastung für ältere Menschen durch rasante Temperaturänderungen
  • Zunahme an Frostschäden durch starken Temperaturwechsel

Auch die prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels wie ein weiterer Anstieg der Temperatur, die Veränderung des Niederschlags (vom Sommer in den Winter), die Steigerung der Sonnentage, die Abnahme der Frosttage sowie die Zunahme an Starkregen-Ereignissen bieten Anlass zum Handeln.

 

 

Haupthandlungsfelder

Grafik_HauptthemenAls Hauptbereiche der Anpassung wurden in Zusammenarbeit mit den Stakeholdern und Gemeinden und auf Grundlage von FAMOS folgende Bereiche identifiziert:

  • Anpassung der Baumarten/ Artenzusammensetzung

Durch den prognostizierten Rückgang der Sommerniederschläge würde vor allem die Fichte unter Trockenstress geraten. Bei einer Waldfläche von über 55% und einem Fichtenanteil von ca. 80%, stellt dies eine der größten Herausforderungen für die Region dar. Nicht nur für die Forstwirtschaft. Das gesamte Landschaftsbild würde sich bei einem Sterben der Fichte verändern.

Durch die Abnahme der Frosttage und die Zunahme von Extremwetterereignissen ist bereits eine Zunahme an Schädlingen und Krankheiten zu verzeichnen, welche sich in Zukunft noch stärker auswirken werden.

Andererseits könnte es in Hochlagen (wie dem Waldviertler Kernland) noch länger gewinnbringend möglich sein die Fichte anzupflanzen. Dies würde für die Region wirtschaftliche Vorteile bringen, da die Nachfrage nach dieser Holzart steigen wird. Damit es in diesem Bereich zu keinen Fehlanpassungen kommt, ist ein detailliertes, für diese Region spezifisches, Waldwirtschaftskonzept zu erstellen.

Bei der Erstellung dieses Konzeptes müssen die klimatischen Besonderheiten von Spätfrösten und Winterfrost berücksichtigt werden, auch wenn diese in Zukunft seltener werden. Dieses Konzept der Waldbewirtschaftung könnte dann auch auf andere Gebiete mit ähnlichen klimatischen und geologischen Bedingungen übertragen werden.

  • Anpassung der Fruchtsorten in der Landwirtschaft

Durch einen Anstieg der Temperaturen und vor allem der Sonnentage ist zu erwarten, dass in Zukunft höhere Erträge erreicht werden können. Dies kann einerseits zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der Landwirtschaft führen, birgt aber auch Risiken. Zum Beispiel Ernteausfälle durch Klimaveränderungen, oder Befall von neuen Schädlingen, welche vorher nicht in der Region beheimatet waren.

Durch den Temperaturanstieg könnten sich auch in unserer Region neue Tier-Seuchen ausbreiten, welche meist durch Insekten übertragen werden. Jene, die durch die langen Frosttage und strengen Winter in unserer Region bis jetzt nicht vorkamen. Durch die vermehrte Freilandhaltung sind die Tiere diesen Insekten schutzlos ausgeliefert.

Durch die Abnahme von Frosttagen und den Anstieg der Sonnentage hat sich die Brutzeit von Schädlingen aber auch von Nutzinsekten wie den Bienen verlängert. Dies kann einerseits eine Ertragssteigerung mit sich bringen, birgt aber auch die Gefahr, dass die Bienen im Winter zu aktiv werden, was die Völker erheblich schwächt. Auch müssen die Behandlungen gegen Schädlinge der längeren Brutzeit angepasst werden. In den letzten Jahren kam es durch die milden Winter und die Verlängerung der Brutzeiten bereits zu massiven Verlusten bei den Imkern. Diese werden ohne die Entwicklung von geeigneten Anpassungsmaßnahmen in Zukunft noch schwerwiegender ausfallen.

  • Anpassungen (Gesundheits-)Tourismus

Der Gesundheits- oder Erholungstourismus bildet für die Kleinregion eine große Chance. Da es in der Region nur sehr wenige Tropennächte gibt, aber klare kühle Seen und zahlreiche Erholungswälder, könnte sich die Region als Sommerfrischeregion etablieren. Dabei muss aber besonders auf den Schutz der natürlichen Ressourcen (Wasser, Wald, …) geachtet werden, damit das Gleichgewicht in der Region erhalten bleibt. Ein weiterer positiver Aspekt könnte die Verlängerung der Sommersaison werden.

  • Ähnliche demographische Herausforderungen

Durch die starke Überalterung der Gesellschaft und die dünne Besiedelung in der Region sind bei Naturkatastrophen oder Extremwetterereignissen stabile Netzwerke besonders wichtig. Vor allem um die Informierung, Versorgung bzw. Rettung aller Personen zu gewährleisten.

Zudem stellen die immer häufigeren und sprunghafteren Temperaturwechsel besonders für ältere Menschen eine große Belastung dar. Auch in diesem Bereich sind Strategien und Maßnahmen notwendig um die Versorgung dieser Personengruppe zu sichern.

  • Anpassung im Siedlung, Straßen und Wegebau

Durch die Zunahme an starken Temperaturwechseln und an Starkregen-Ereignissen sind auch in diesem Bereich weitere Anpassungsmaßnahmen nötig, vor allem um die Folgekosten von Sanierungen und Wiederherstellungen (z.B. nach Muren, Starkregen, …) zu minimieren.

Auch im Bereich der Regenentwässerung müssen in den Gemeinden neue Konzepte entwickelt werden, da die vorhandenen Strukturen und Lösungen für die neuen Herausforderungen nicht mehr ausreichend sind. Eine positive Auswirkung der Klimaveränderungen ist die Abnahme der Kosten für den Winterdienst.

  • Ähnliche biologische Vielfalt

Durch die vermehrte Austrocknung von Feuchtgebieten und Mooren wird es zu einer Veränderung in der heimischen Pflanzenwelt kommen. Daher sollten Maßnahmen gesetzt werden, damit diese für die Region typischen natürlichen Habitate für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.

Grafik_Anpassungsregion nach Bundesland

 

Vision

Die Region möchte bis 2050 eine Region mit einer sehr hohen Lebensqualität werden, in der zukunftsorientiert und nachhaltig gedacht und gehandelt wird. Dazu werden und wurden unterschiedlichste Maßnahmen und Initiativen umgesetzt.

  • Forstwirtschaft: Ein Großteil der Waldbesitzer hat auf eine naturnahe, nachhaltige Waldbewirtschaftung umgestellt. Es werden angepasst Bäume gepflanzt und kultiviert, die auch ohne Zutun des Menschen an dem jeweiligen Standort wachsen würden. Mischbestände werden gefördert, damit sich die Bäume gegenseitig schützen und im Wuchs fördern. Die Wildbestände werden mittels einer wald- und wildgerechten Jagd reguliert. Viele Forstwirte bieten Waldkuren an, bei denen die Besucher nicht nur „Luft holen und Kraft“ tanken, sondern auch die Kreisläufe der Natur kennen lernen. Dieses Angebot bildet ein zusätzliches Einkommen für die Forstwirte.
  • Landwirtschaft: Ein Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe arbeitet biologisch und nachhaltig. Teilweise erfolgte für Vermarktung und Vertrieb der qualitativ hochwertigen Lebensmittel ein regionaler Zusammenschluss der Landwirte. Sie haben sich auf ein breites Sortiment an Sonderkulturen spezialisiert und versuchen laufend neue Sorten anzubauen. Dadurch können etwaige Ernteausfälle bei einer Sorte durch andere Sorten kompensiert werden. Dadurch kommt es auch wirtschaftlich zu einer verbesserten Absicherung der Höfe. Ein weiteres ökonomisches Standbein dabei ist das Angebot der „Sommerfrische“ wie Urlaub am Bauernhof. Die Landwirtschaft reagiert offen und zielstrebig auf Veränderungen und die Landwirte versuchen gemeinsam Lösungen für neuauftretende Probleme (z.B. Schädlingsbefall, …) zu finden.
  • Ökosysteme: Im Waldviertler Kernland gibt es verschiedenste Habitate für eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Es wurden unterschiedlichste Maßnahmen eingeleitet um einen Erhalt der Moorlandschaft zu begünstigen.
  • Gesundheits- Tourismus: Der Gesundheitstourismus fokussiert auf die positive Wirkung des Waldes auf den Menschen. Es werden eigene Waldkuren angeboten und mit verschiedenen klassischen Angeboten verbunden. Der Gesundheitstourismus ist um 20% angestiegen. Die Tourismusbranche kauft zu über 70% ihre Lebensmittel in der Region und forciert den Vertrieb dieser auch nach dem Aufenthalt der Gäste in der Region.
  • Demographie: Die Überalterung in der Region konnte merklich abgeflacht werden. Die Region ist vor allem für Jungfamilien attraktiv und es kommt zu vermehrter Ansiedelung dieser Zielgruppe in der Region. Dafür werden vor allem Leerstände in den Ortskernen sowie in den Katastralgemeinden renoviert, und es kommt zu einer stärkeren Auslastung der vorhandenen Infrastruktur. Es entstehen vor allem im Gesundheitsbereich sowie im Sozialbereich, im Tourismus aber auch in der Land- und Forstwirtschaft weitere Arbeitsplätze.
  • Gemeinde: Die Gemeinden kooperieren stark miteinander in Bereichen der Raumordnung, des Katastrophenschutzes und in sozialen Bereichen.

 

Struktur für die Umsetzung

Durch die partizipative Entwicklung des Konzeptes mit allen Stakeholdern, aber vor allem durch eine breite Bürgerbeteiligung, soll eine hohe Akzeptanz und Identifikation mit dem Konzept erreicht werden. Dieses ist für die anschließende Umsetzung von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird das Projekt mit den Bürgern und Bürgerinnen erarbeitet und durch das Projektteam verfasst. Ebenfalls soll dadurch ein Kompetenzaufbau für Klimaanpassungsthemen direkt in der Region erfolgen, welcher für die Umsetzung der Strategie von eminenter Bedeutung ist. Dazu werden folgende Gremien genützt bzw. Aufgebaut:

Klima-Anpassungs Gemeindegruppe (KAG): In jeder Gemeinde werden Klima- Anpassungs-Gemeindegruppen (KAG) installiert. In dieser Gruppe sind, Personen aus folgenden Bereichen vertreten: Politik, Landwirtschaft (BB-Obmann), Forstwirtschaft (WWG-Vertreter), Gesundheit (Arzt, Person aus der Pflege), Bildung, Feuerwehr, Verwaltung (Amtsleiter), Tourismus (Dorferneuerungsobmann), Wirtschaft, Infrastruktur (Wegebauobmann), Wasserwirtschaft (Obmann der Wassergenossenschaft), Hilfsorganisationen (Freiwilliger beim Roten Kreuz,…),Umweltbeauftragter, Multiplikatoren innerhalb der Gemeinde.

Klima-Anpassung-Steuerungsgruppe (KAS): Zusätzlich wird auf regionaler Ebene eine Steuerungsgruppe eingerichtet, bei der ein Sprecher aus jeder Gemeindegruppe vertreten ist. Auch bei der Zusammensetzung der Steuerungsgruppe wird darauf geachtet, dass nach Möglichkeit, Vertreter aller oben genannten Bereiche dabei sind. Diese Personen dienen als Bindeglied zu den Gemeindegruppen, welche einerseits Informationen von den Gemeindegruppen in die Steuerungsgruppe bringen und andererseits Informationen von der Steuerungsgruppe in die Gemeindegruppe transportieren.

Verwaltungs- und Kooperationsgruppe: Um auch eine gute Abstimmung mit überregionalen Stellen, anderen Akteuren, möglichen Kooperationspartnern und Kooperationsorganisationen zu gewährleisten, ist die Etablierung einer Verwaltungs- und Kooperationspartner-Gruppe angedacht. Dadurch soll sichergestellt werden, dass es bei der Erstellung der Strategie zu keinen Doppelgleisigkeiten durch übergeordnete Entscheidungsstellen oder andere Stakeholder kommt bzw. Aktivitäten und Maßnahmen von übergeordneten Ebenen oder anderen Stakeholdern rasch in das regionale Konzept implementiert werden. Nachstehende Stakeholder waren bereits bei der Erstellung dieses Grobkonzeptes involviert: ENU, Bezirkshauptmann, Gesundheit Veterinär, LK Zwettl – Forstwirtschaft, WWG Ottenschlag, Straßenmeisterei Ottenschlag, Wirtschaft, NÖ-Regional, Zivilschutzverband, Politik

 

Aktivitäten zur Strategieentwicklung

In einem ersten Schritt wird eine aktivierende Befragung in der Bevölkerung stattfinden. Dabei stehen folgende Fragen im Zentrum:

  • Was hat sich beim Klima in den letzten 50 Jahren verändert?
  • Gibt es Dinge wie Starkregen, Hitze, Insekten, Tiere, Pflanzen, … die jetzt bei uns vorkommen und die es früher nicht gegeben hat?
  • Warum glauben Sie, gibt es diese Dinge jetzt und früher nicht?

Durch diese, in sehr einfacher Sprache formulierten Fragen soll die Bevölkerung einerseits zum Nachdenken über bereits laufende Veränderungen im Klima und deren Auswirkungen angeregt werden, und andererseits erste Informationen gesammelt werden, in welchen Bereichen die Bevölkerung Auswirkungen des Klimawandels bereits wahrnimmt.

Diese Befragung läuft auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Settings ab. Um möglichste alle Zielgruppen zu erreichen wird die Befragung in folgenden, bereits vorhandenen, Settings erfolgen. Durch dieses Vorgehen können zahlreiche Synergien genutzt werden und es wird sichergestellt, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Bei der oben vorgestellten Befragung sollen Personen identifiziert werden, welche als Multiplikatoren in den jeweiligen Zielgruppen fungieren können. Diese bilden eine Schlüsselrolle bei den bewusstseinsbildenden Maßnahmen. Diese Multiplikatoren werden mittels Workshops besonders gut über die Auswirkungen des Klimawandels informiert, welche sie dann durch persönliche Gespräche in alle Zielgruppen einbringen. Diese Personen werden auch in die Gemeindegruppen eingebunden.

 

Grafik_Auswirkungen Klimawandel