Humus

Ausgangslage

Die Böden des Waldviertler Kernlands weisen derzeit eine hohe Bodenbonität auf. Dies ist einerseits geologisch bedingt, andererseits war eine intensive, humuszehrende Bodenbewirtschaftung klimabedingt nur sehr eingeschränkt möglich. Durch den Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur und der Verlängerung der Vegetationsperiode ist dies, bzw. wird dies in naher Zukunft stärker möglich sein. Dadurch ergeben sich neue Chancen in der Landwirtschaft mit anderen Kulturen ertragreicher zu wirtschaften. Dies würde eine Weiterführung der Betriebe durch junge Landwirte begünstigen und so den Erhalt der Landwirtschaftlich genützten Flächen sichern.

Ein weiterer Aspekt ist die Zunahme von Starkregenereignissen, wodurch es noch wichtiger wird, möglichst viel Feuchtigkeit in der Fläche zu halten um die Auswirkungen dieser Ereignisse (Überlastung der Abflusseinrichtungen, Ausufern von Flüssen, …) zu dämpfen.
Damit diese neuen Chancen in der Landwirtschaft genützt werden können, ohne dass es zu einem massiven Abbau der Humusschicht kommt, soll schon jetzt intensiv an der Bewusstseinsbildung für den nachhaltigen Erhalt der „Ressource Boden“ gearbeitet werden.

Ziele

  • Abschwächung von Starkregenereignissen durch das Halten von Wasser in der Fläche
  • Bessere Wasseraufnahme durch verbesserte Bodenstruktur
  • Anreicherung des Grundwassers durch bessere Feuchtigkeitsaufnahme des Bodens
  • Erhalt und Verbesserung der Ressource „fruchtbarer Boden“
  • Optimierung des Managements von Humus + organischen Düngern
  • Verankerung der Humusbilanzierung durch Software-Unterstützung
  • Nachhaltige Optimierung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung

Bereits gesetzte Aktivitäten

Humus durch Hackgut - Besuch auf der Probefläche

Durch die Zunahme von Starkregenereignissen und längeren Trockenperioden in unserer Region wird es immer wichtiger, möglichst viel Feuchtigkeit in der Fläche zu halten um die Auswirkungen dieser Ereignisse (Überlastung der Abflusseinrichtungen, Ausufern von Flüssen, Vertrocknen der Pflanzen…) zu dämpfen.

Durch die Ausbreitung des Borkenkäfers ist auch im Waldviertler Kernland zu erwarten, dass große Mengen an Schadholz und Hackgut anfallen. Viele Landwirte in der Region sind zugleich auch Forstwirte und überlegen schon jetzt, was sie mit dieser Ressource (Hackgut) machen könnten.

Aus diesen Überlegungen heraus wurde die Idee „Humus mit Hackgut am Feld aufzubauen“ geboren und gemeinsam mit Landwirten aus der Region, der Bioforschung Austria (Dr. Eva Ertl), dem Biologen Mag. Andreas Pirker diskutiert.

Reinhard Häusler aus Waldhausen hat sich dazu entschlossen, eine erste Probefläche anzulegen, um erste Erfahrungen zu sammeln. Dies erfolgte Anfang Oktober, wo auf einer Fläche nachstehende „Versuchsstreifen“ angelegt wurden. Diese werden nun regelmäßig besucht und die dabei gesammelten Erfahrungen weitergegeben.

Humus durch Hackgut - Besuch auf der Probefläche

Humusaufbau mit Holz - Forschungsprojekt

Zu diesem Thema fand im Juni 2019 ein Workshop zum Thema „Humus aus Hackgut“ mit Landwirten (konventionell wie biologisch) aus der Region statt. Dabei wurde das Thema kontroverse aber mit großem Interesse diskutiert.

Daher wurden vom KLAR! Management weitere Informationen und Erfahrungen gesammelt. Es folgten erste Abstimmungsgesprächen mit der Bioforschung Austria (Dr. Eva Ertl), dem Biologen Mag. Andreas Pirker und einem Landwirt aus der Region (Reinhard Häusler). Dabei entstand auch die Idee ein erste Versuchsfläche anzulegen und mit Landwirten aus der Region über die Thematik weiter zu diskutieren. (Siehe nachstehenden Bericht).  Dabei kam es zu einer intensiven Diskussion, bei der zahlreiche Fragen aufgeworfen wurden:

  • In welchem Zeitraum erfolgt die Umwandlung?
  • Wie verhält es sich mit dem Stickstoffverbrauch?
  • Kann es zu einer Übersäuerung des Bodens kommen?
  • Haben die Gerbstoffe und Harze Auswirkungen auf den Boden?
  • Wie wirken die Mikroorganismen auf den Prozess?
  • Wie kann die Aufbringung möglichst boden- und ressourcenschonend erfolgen?

Um eine Antwort auf diese und weitere Fragestellungen zu finden, wurde gemeinsam mit Landwirten aus der Region, der Bioforschung Austria sowie Mag. Andreas Pirker und der KLAR! Waldviertler Kernland eine erste Versuchsanordnung konzipiert. Diese Überlegungen wurde am 29.11. mit interessierten Landwirten aus der Region besprochen.

Geplant ist die Durchführung mehrerer Versuche auf unterschiedlichen Böden und in unterschiedlichen Kleinklimazonen im zentralen Waldviertel, Raum Ottenschlag. Da sowohl der Abbau des Holzhackgutes im Boden als auch die Anreicherung von Dauerhumus langsame, langjährige Prozesse sind, sind die Versuche mit einer mindestens 5-jährigen Laufzeit geplant.

Die Versuche sollen als Streifen- oder Blockversuche mit mehreren Varianten durchgeführt werden: mit gestaffelter Hackgut-Menge, mit/ohne Zugabe eines Mikroorganismen-Präparates, mit/ohne Zugabe von Gülle oder N-Dünger; und in 3 Wiederholungen (je nach verfügbarer Feldgröße). Die Parzellen werden in einer Breite von 6 m mit praxisüblicher Landmaschinentechnik angelegt.

Es haben bereits über 10 Landwirte zugesagt, Flächen als Versuchsflächen in das Projekt einzubringen und aktiv beim Projekt mitzuarbeiten. Dies sind Landwirte aus unterschiedlichen Gemeinden der Region, mit unterschiedlichen Betriebsgrößen (Haupterwerb und Nebenerwerb) sowie unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen (konventionell und biologisch).

Derzeit wird erhoben, ob die angebotenen Flächen als Versuchsflächen geeignet sind (Größe, homogene Bodenbeschaffenheit, Lage, usw.) und wie das Vorhaben finanziert werden kann.

Humusaufbau mit Holz

Aufgrund der klimatischen Veränderungen wird uns in den nächsten Jahren viel Hackgut zur Verfügung stehen. Andererseits kommt es durch die Zunahme von Winden und Starkregenereignissen zu einem immer stärkeren Humusabtrag.  Daraus entstand in Gesprächen mit der Bioforschung Austria, dem Biologen Andreas Pirker und dem Landwirt Reinhard Häusler die Idee aus Hackgut Humus zu erzeugen. Statt lange zu diskutieren, probieren wir es  in der KLAR! Waldviertler Kernland einfach aus. Die Familie Häusler aus Waldhausen stellt dazu ein Feld zur Verfügung, auf dem  ein erster Versuch stattfand.

Dies erfolgte Anfang Oktober, wo auf einer Fläche von 70a auf dem nachstehende „Versuchsstreifen“ angelegt wurden.

  1. Streifen: Nichts
  2. Streifen: Hackgut
  3. Streifen: Hackgut & Mikroorganismen
  4. Streifen: Hackgut & Mikroorganismen und Gülle

Das Hackgut wurde mittels Mulcher aufgetragen und oberflächig leicht eingearbeitet.  Im Frühjahr soll auf diesem Feld Mohn angebaut werden. Diese Frucht reagiert sehr sensibel auf die Bodenbeschaffenheit, wodurch Unterschiede im Wachstum erwartet werden.

Am 12.10.2019 fand eine erste öffentliche Besichtigung der Probefläche mit anschließendem Vortrag zum Thema Mikroorganismen satt. Daran nahmen über 70 Landwirte aus der Region teil, bei der auch andere Landwirte von ihren ersten Versuchen, aus Hackgut bzw. Sägespänen auf der Fläche Humus zu gewinnen berichteten.

Infoveranstaltung zum Thema „Dammkultur & Humus“

Die klimatischen Veränderungen stellen die Landwirtschaft vor immer größeren Herausforderungen. Neben der Trockenheit in einigen Gebieten sind es vor allem die Starkregenereignisse die der Landwirtschaft zu schaffen machen. Gute humusreiche Erde wird abgeschwemmt und fehlt auf den schwachen Hügeln. „Wasser und Humus müssen wir dort halten wo wie sie brauchen.“, so Dietmar Hipp, Obmann der Landwirtschaftskammer Zwettl in seinem Anfangsstatement.

Eine Mögliche Lösung stellt die Dammkultur dar. Diese wurde beim Infotag „Dammkultur & Humus“ am 29. Juli in Grafenschlag vorgestellt. Nach der Begrüßung durch Obmann Bgm. Robert Hafner, gab Robert Schneider (BIO Austria) einen kurzen Einblick in die Entstehung und Wichtigkeit von Humus. So ist nur 9% der Erdoberfläche nutzbares Acker- und Weideland, und es dauert, bei einer positiven Fruchtfolge, bis zu 98 Jahre um den Humusgehalt um 1% zu steigern. Angesichts dieser Tatsachen ist der Erhalt der Humusschicht auf den Feldern von zentraler Bedeutung für die Landwirtschaft.

Julian Turiel (der Entwickler der Dammkultur) und Christoph Ratheiser (Biobauer in Grafenschlag) stellten anschließend die Dammkultur vor. Dabei werden Getreide, Mais, Gemüse oder auch Alternativkulturen wie Kerbel oder Petersilie auf Dämmen angepflanzt.

Ähnlich wie beim Kartoffelanbau werden die Früchte auf der Dammkrone allerdings nicht mit Pflugscharten, wie beim Kartoffelbau sondern mittels Häufelpflug angepflanzt. Die besondere Beschaffenheit des Häufelpflugs ermöglicht eine sehr bodenschonende Bearbeitung, bei der die Erde nur belüftet aber nicht stark umgedreht was sich positiv auf das Bodenleben auswirkt.  Durch die Bepflanzung auf der Dammkrone kann bereits wenige Wochen nach der Saat eine erste maschinelle und genaue Unkrautbekämpfung und weitere Lockerung des Bodens erfolgen. Durch diese Bewirtschaftung wird der Boden gut belüftet und Unkräuter wie Distel, Quecke und Ampfer verschwinden von selbst.

Der lockere Boden kann zudem auch rasch größere Wassermengen aufnehmen und halten da sich durch die Dammkultur der dafür wichtige Ton-Humus-Komplex im Boden bildet. Die Dämme sorgen zudem für ein eigenes Mikroklima: Das Sonnenlicht trifft nicht überall gleich intensiv auf den Boden, es entstehen Temperaturunterschiede und Luftzüge, welche das Pflanzenwachstum zusätzlich positiv beeinflusst.

Nach dem Theoretischen Teil der Veranstaltung wurden zahlreiche Flächen des Biobetriebes Ratheiser in Grafenschlag besucht sowie der Häufelpflug betrachtet. Dabei wurden die Vorteile und die Bearbeitungsschritte diskutiert und kritisch hinterfragt.